Das Tourismuscamp 2012 in Eichstätt war mein erstes touristisches Barcamp. Neben diversen Vorträgen und Diskussionen hatte es vor allem das Abendprogramm in sich. Aber lasst mich in chronologischer Reihenfolge beginnen:
Zu neunt ging es am Freitag im „Konferenzbus“ von Berlin nach Eichstätt. Nacheinander haben Alexandra Quiring und Gereon Frisch von TripsByTips, Uwe Frers und meine Wenigkeit von Escapio, Phillipine Racz von der HSMA, Roland Fricke und Benjamin Krauss von beauty24 sowie Carsten Gersdorf und Oliver Knagge von BestFewo.de im Bus eingecheckt. Nach unserer Ankunft am Freitagabend stimmten wir uns langsam auf das Camp ein – wie geht das besser als bei Speis und Trank und ersten Gesprächen…
Tag 1
Die ersten beiden Sessions am Samstag waren für mich gleich die Highlights der gesamten Veranstaltung. Unter dem Titel „Google VS. OTAs – Nischen VS. Big Player“ entwickelte sich eine spannende Diskussion. Das Fazit war schnell gefunden: Dass es kein „VS. Google“ geben kann. Vielmehr stand das Spannungsfeld zwischen Hotels und OTAs im Mittelpunkt, mit dem Grundtenor, dass OTAs im Online-Marketing einfach das größere Know-How und mehr Ressourcen haben als Hotels.
Auch die zweite Session hatte es in sich. Uwe Frers, CEO bei Escapio, widmete sich in einer interessanten Präsentation dem Thema „Customer Journey im Tourismus“- also den Berührungspunkten, die ein Reisender vor, während und nach der Reise mit touristischen Dienstleistungen hat. Touristische Dienstleister sollten diesen genau unter die Lupe nehmen und auf die Phasen konzentrieren, die für sie individuell relevant sind. Die folgende Abbildung verdeutlicht die Relevanz der jeweiligen Phase für Destinationsorganisationen, Intermediäre und Hotels:

Nach dem Mittagessen ging es für mich weiter mit dem SEO-Dauerthema „Content is King“. Konkret hat Heinz Gressenbauer dabei ein innovatives Content-Konzept für den Relaunch der Oberösterreich-Webseite vorgestellt. Im Mittelpunkt des Konzepts steht die enge Zusammenarbeit mit anderen touristischen Destinationsorganisationen aus der Region. Diese stellen jeweils Inhalte bereit, die von allen anderen Organisationen sowie von der Dach-Organisation Oberösterreich auf ihren Webseiten genutzt werden dürfen. Um Duplicate Content zu vermeiden, werden Canonical-Tags eingesetzt, die auf den Verfasser des jeweiligen Textes deuten. Ein sehr spannendes Konzept, in meinen Augen. Im Anschluss gab es eine rege Diskussion über die inhaltliche Qualität der so erstellten Inhalte und über die oft schwierige Zusammenarbeit von Destinationsorganisationen untereinander. Letzteres verhindert vielerorts ein gemeinschaftliches Agieren im Internet, so dass in den meisten Regionen eine Vielzahl von nebeneinander stehenden Webseiten-Insel-Lösungen der Regelfall ist.
In der Session „Welchen Content für welches Netzwerk?“ hat Jochen Hencke zunächst die Social Media Aktivitäten der Stiegl-Brauerei vorgestellt. Anschließend wurde diskutiert, welche Contents in welchem sozialen Netzwerk Sinn machen. Vor allem mit dem Aufkommen von Google+ ist dies für viele im Tourismusmarketing eine spannende Frage. Ergebnis war, dass die meisten von einem Erfolg von Google+ ausgehen (unabhängig davon, ob Google+ nun in Konkurrenz zu Facebook, Twitter oder Xing tritt). Andererseits haben aber nur die wenigsten der Anwesenden bereits eine wirkliche Content-Strategie für Google entwickelt.
In den zwei Sessions am Abend haben mich die Themen „Distribution von Online-Videoberichten“ und „NFC im Tourismus“ am meisten angesprochen. Bei ersterem ging es zum einen um die Verbreitung und Optimierung von Videos bei Youtube und zum zweiten um die Video-One-Box der Universal Search von Google. Mark Zimmermann wollte am Beispiel eines Videos über einen Frisör in Bayreuth wissen, wie man es schafft, das Video für die Youtube-Suche zu optimieren. Spannende Tipps dazu findet man beispielsweise bei Martin Mißfeldt. Anschließend hat Eric Horster von der Leuphana Universität Lüneburg das Thema „Near Field Communication (NFC) im Tourismus“ vorgestellt. Insbesondere in Frankreich wird die Technologie staatlich gefördert. Im Tourismus ergibt sich eine breite Palette an Anwendungsmöglichkeiten.
Über den Abend und die Nacht möchte ich hier gar nicht allzu viele Worte verlieren, nur so viel sei gesagt: Es war ein sehr schöner, feucht-fröhlicher Abend, der sich durch folgende Stichworte in der chronologisch richtigen Reihenfolge am besten beschreiben lässt: Trompete, Schäuferl, Helles, W-LAN, Strawberry Gedöns, The Russian Ice Divers, Kuchen, Hochmoorgeist, Luftgitarre.
Besonders hervorzuheben ist noch die gewiefte Social Media Strategie des Braugasthofes Trompete, einem Hotel im Altmühltal. Das Hotel war der Veranstaltungsort am Abend und hat geschickt die Online-Affinität der Anwesenden ausgenutzt, um mehr Bewertungen im Internet für das Hotel zu generieren.
Tag 2
Der zweite Tag gestaltete sich aufgrund der recht kurzen Nacht für mich etwas schwieriger. Dennoch war ich gleich zur ersten Session „Online Werbung – Was funktioniert“ wieder (fast pünktlich) am Start. Wir haben dabei verschiedene Probleme des Online Marketings im Tourismus eher angerissen als detailliert diskutiert, was die Session für mich persönlich etwas unbefriedigend machte. Abschließend ging es bei Benjamin Buhl von netzvitamine um die „Qualifizierung von touristischen Leistungsträgern“. Insbesondere kleinere Unternehmen, wie Vermieter von Ferienhäusern, tun sich oft schwer, in das Online Marketing zu investieren oder ihre Zimmer online buchbar zu machen. Aus Sicht der Destinationen kann dem durch eine hervorgehobene Positionierung von kooperationswilligen Leistungsträgern online und in Print-Medien entgegen gewirkt werden.
Langsam aber sicher neigte sich danach das Tourismuscamp 2012 dem Ende entgegen, die Twitter Wall zum Camp findet ihr übrigens hier. Zusammen mit meinen Mitstreitern aus Berlin ging es zurück in die Heimat. An dieser Stelle, liebe Kollegen und Veranstalter: Vielen Dank für das tolle Barcamp, es war mir ein Fest.