„As uns Herrgoot de Welt erschaffen ded, fung hei bi Mecklenborg an“, schrieb einst der bekannte mecklenburgische Dichter Fritz Reuter auf Platt in seinem Buch „De Urgeschicht von Meckelnborg“. Wenn es diesen Herrgott denn gibt, hat er sich wahrlich sehr viel Mühe gegeben. Versprenkelte symmetrische Baumreihen, Alleen mit jahrhundertealten, knorrigen Bäumen und in den Talsohlen aufblitzende Seen prägen die Landschaft. Typisch ist die unendliche Weite mit ihren strohgelben Feldern und blühenden Wiesen. Ab und zu ragt ein backsteingotischer Kirchturm aus den Ortschaften heraus, und immer wieder weisen unauffällige Schilder auf Schlösser und Landgüter hin, die rechts und links der Landstraßen in Parks versteckt liegen.
Einen schönen Blick auf die Mecklenburgische Schweiz, die wohl wegen ihrer sanften Hügellandschaft so genannt wurde, erhalten Besucher aus dem Park der herrschaftlichen Burg Schlitz in Hohen Demzin. Das 1824 fertig gestellte Anwesen der Reichsgrafen von Schlitz ist eines der bedeutendsten Gebäude des Klassizismus. Von 1994-99 wurde es aufwändig restauriert und zum luxuriösen Schlosshotel umgebaut. Das von Maja und Thomas Kilgore liebevoll geführte Haus ist eine ideale Adresse, um in hochherrschaftlichem Rahmen vom Alltag zu entspannen, zum Beispiel bei einer der legendären Pferdejagden oder im 300 Quadratmetergroßen Wellnessbereich.
15 Autominuten entfernt erhebt sich das Schloss Ulrichshusen über den Feldern. Die Renaissance-Anlage, die noch rund 300 Jahre älter ist als die Burg Schlitz, ließ der Adlige Ulrich von Maltzahn 1526 erbauen. Die Ruine der Wasserburg wurde 1993 bis 2000 von den Nachkommen des Erbauers, Alla und Helmuth von Maltzahn, mit Hilfe des ganzen Dorfes restauriert. Ein Ort der Künste sollte es werden, dieses kulturhistorische Kleinod mit der unvergleichlichen Lage zwischen den tiefen Wäldern und stillen Seen. Tatsächlich trifft sich hier seit nunmehr 15 Jahren die Fangemeinde der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern zur „musikalischen Landpartie“. Die mächtige alte Scheune wurde zu einem der größten Konzertsäale des Nordens umgebaut. Hier traten bereits Yehudi Menuhin und Anne-Sophie Mutter auf. Vor allem aber kommen junge, viel versprechende Künstler und Orchester aus der ganzen Welt hierher, weil sie ebenso wie die Gäste von der magischen Atmosphäre dieses Schlosses am See fasziniert sind. In der Pause sitzen die Konzertbesucher selig lächelnd in eleganter Sommergarderobe auf Holzbänken im Schlosspark, trinken ein Gläschen Sekt und essen Gegrilltes.
Auch das nahe gelegene Schloss Schorssow bietet sich für stilvolle Hochzeiten und andere Familienfeiern im eleganten Rahmen an. Schon im 14. Jahrhundert als Adelssitz erwähnt, erwirbt 1610 die Familie von Moltke das Schloss und baut es 1808-1812 unter Einbezug des barocken Vorgängerhauses um. Es ist sichelförmig vom Haussee und einem englischen Park umgeben, was dem Schloss eine einmalig idyllische Atmosphäre verleiht.
Wie konnte sich diese Idylle über die Jahrhunderte erhalten? In „Meckelnborg“ lebt ein eigenwilliger Menschenschlag. Den Einwohnern wird nachgesagt, besonders langsam und unwillig gegenüber Veränderungen zu sein. Genau das hatte in der wechselvollen Geschichte sein Gutes. So konnte die Schönheit des dünn besiedelten Landes bis heute bewahrt bleiben.
Die traditionsreiche Kleinstadt Waren, die ein guter Ausgangspunkt für die Schlössertour ist, erstrahlt heute wieder in altem Glanz. Sie wurde 1296 am Nordufer der Müritz gegründet, dem mit 117 Quadratkilometern größten Binnensee Europas. Über der Altstadt thront die imposante St. Georgenkirche, ein 1273 erstmalig erwähnter und 1867 im neugotischen Stil renovierter Backsteinbau mit schöner Lütkemüller-Orgel von 1856 . Nur wenige Gehminuten von diesem besinnlichen Ort entfernt erreicht man die von spitzgiebeligen Fachwerkhäusern gesäumte Fussgängerzone. In der Hochsaison ist der Marktplatz Treffpunkt für Urlauber, die in einem der vielen Cafés einen Kaffee trinken oder ein Eis essen wollen. Am Yachthafen kommt an lauen Sommerabenden fast südländisches Flair auf, wenn die Segler auf ihren Booten den Abend ausklingen lassen. Naturinteressierte sollten auf jeden Fall das neu eröffnete Müritzeum besuchen, das einen umfassenden Einblick in Flora und Fauna Mecklenburgs gibt.
Wer gerne baden oder golfen möchte, sollte unbedingt einen Abstecher ins Land Fleesensee mit dem Resort Schloss Fleesensee und seinem angrenzenden 18-Loch-Golfplatz und dem Badesee machen. Zwischen dem Fleesen- und dem Plauer See liegt die malerische Inselstadt Malchow. Die schönste Aussicht bietet die Terrasse des „Rosendomizils“. Der Kuchen von Bäckermeister Vollbrecht ist köstlich und auch in der hauseigenen Bäckerei zu erwerben. Gegenüber liegt am östlichen Seeufer das Kloster Malchow aus dem typischen roten Backstein. Segelschiffe ziehen vorüber, Sonne bräunt die Haut und der Nachmittag plätschert sorglos dahin. Man kann dem Urlauber nur beipflichten, der sich im Gästebuch verewigt hat: „Man glaubt sich hier im Paradies“.


Einen Kommentar hinterlassen
Blog abonnieren