Die Kanarischen Inseln werden oft mit Strandurlaub gleichgesetzt. Dabei liegt im Inneren der Inseln eine ganz andere Welt. Bananenplantagen, Weinberge auf Vulkanasche und alte Gehöfte prägen weite Teile des Landesinneren. Agriturismo Hotels ermöglichen es, genau diese Seite zu erleben: auf kleinen Betrieben mit direktem Bezug zur Landwirtschaft, eingebettet in Landschaften, die wenig mit dem Bild des typischen Kanaren-Urlaubs gemein haben.
Auf dem spanischen Festland hat die Finca-Kultur eine lange Tradition, auf den Kanaren kam der organisierte Agriturismo-Gedanke unter dem Begriff turismo rural erst in den 1990er-Jahren richtig in Fahrt. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft der Inseln (Weinbau auf Lanzarote, Tropenfrüchte auf La Palma, Gemüseanbau auf Teneriffa) bot dafür eine gute Grundlage. Heute verbinden die Betriebe Unterkunft mit regionalen Produkten, gelegentlich mit Einblicken in den Anbau und immer mit einer Verortung, die sich von anonymen Ferienanlagen deutlich unterscheidet.
Die Inseln verbinden etwas, das anderswo kaum zusammenkommt: Vulkanlandschaft, Meereshöhe und eine kleinräumige Landwirtschaft, die durch das Klima ganzjährig aktiv ist. Die Betriebe sind meist klein und persönlich geführt, selten kettenartig organisiert. Überschaubare Zimmerzahlen, direkte Kommunikation mit den Gastgebern, eine Einbettung in Gemeinden, die noch funktionieren wie Dörfer.
Abseits der Küstenorte im Süden und Norden liegt ein Hochland, das überraschend ruhig ist. Rund um den Teide und in den Ausläufern des Anaga-Gebirges – einem UNESCO-Biosphärenreservat – gibt es Landhotels und Fincas, die Wanderwege direkt vor der Tür haben. Als am besten erreichbare Insel eignet sich Teneriffa auch für kürzere Reisen.
Die Malpaís-Region rund um La Geria ist das Herzstück des Lanzaroter Weinbaus: Hier wachsen Rebstöcke in kreisförmig angelegten Mulden aus Lavaasche, geschützt vor dem ständigen Passatwind. Die Landschaft ist karg und von hoher ästhetischer Eigenheit. Nüchterne Schönheit und handwerklicher Weinbau stehen hier nebeneinander.
La Palma ist vielleicht die waldreichste der großen Kanareninseln und zählt zu den am wenigsten touristisch erschlossenen. Kleine Fincas in den Gemeinden rund um Los Llanos de Aridane oder im Nordosten der Insel bieten einen Agriturismo, der nah an der Realität des Insellebens bleibt mit eigenem Anbau, kurzen Wegen zum Erzeuger und wenig Außendruck durch Massentourismus.
Lanzarote überzeugt durch landschaftliche Kontraste und eine eigenständige Architektur- und Weinbautradition. La Palma ist die Wahl, wenn Stille, dichtes Grün und ein unverstellter Blick auf das Inselleben im Vordergrund stehen. Teneriffa bietet die größte Bandbreite und die beste Anbindung. Das ist sinnvoll für alle, die Agriturismo auf den Kanarischen Inseln erstmals erkunden und dabei flexibel bleiben möchten.
Eine Finca bezeichnet zunächst nur das Gehöft oder Landgut, ohne definierten Leistungsrahmen. Ein Agriturismo- oder Turismo-Rural-Betrieb auf den Kanaren ist dagegen in die aktive Landwirtschaft eingebunden: Gäste übernachten auf einem funktionierenden Betrieb, können Produktionsprozesse miterleben und konsumieren häufig, was direkt vor Ort angebaut wird. Der Unterschied liegt weniger in der Optik als im Konzept.
Eine pauschale Antwort gibt es für einen Agriturismo-Urlaub auf den Kanaren nicht, die Inseln haben sehr unterschiedliche Profile. Lanzarote bietet Weinbaukultur und Vulkanlandschaft, La Palma eine ruhige, grüne Atmosphäre mit kleinen Betrieben, Teneriffa die größte Infrastruktur und Vielfalt. Entscheidend ist, ob Landschaftserlebnis, Naturverbundenheit oder Erreichbarkeit Priorität haben.
Ja, das Angebot an Agriturismo Hotels auf den Kanaren ist breiter als oft angenommen. Besonders auf Teneriffa und zunehmend auf La Palma gibt es Betriebe, die ländlichen Charakter mit zeitgemäßer Ausstattung verbinden, darunter Pools, gut ausgestattete Bäder und teils gehobene Küche mit eigenen Erzeugnissen. Finca-Charakter und gehobener Komfort schließen sich nicht aus.
Die Kanaren sind ganzjährig für einen Agriturismo-Urlaub bereisbar, was einen klaren Vorteil gegenüber vielen europäischen Agriturismo-Regionen darstellt. Der Frühling, März bis Mai, gilt als besonders attraktiv: Die Vegetation ist auf vielen Inseln üppig, die Temperaturen angenehm und der Touristenandrang an der Küste noch überschaubar. Die Wintersaison ist auf den Kanaren keine Nebensaison.
La Palma eignet sich besonders dann als Agriturismo-Ziel, wenn der Wunsch nach Entschleunigung und Unberührtheit im Vordergrund steht. Die Insel ist kleiner, weniger erschlossen und hat ein ausgeprägtes Regionalbewusstsein bewahrt. Wer keine großen Infrastrukturen erwartet, sondern echte Ruhe, dichten Wald und direkten Kontakt zur Insellandschaft sucht, wird auf La Palma mehr finden als auf den größeren Nachbarinseln.