Sizilien erklärt sich nicht beim ersten Hinsehen. Zu viele Jahrhunderte haben sich hier überlagert: griechisch, arabisch, normannisch, barock. Man spürt das in den Städten, auf den Landstraßen, in den Innenhöfen alter Palazzi, die nach außen kaum etwas verraten. Genau das macht Boutique Hotels in Sizilien zu einer anderen Art von Unterkunft als anderswo: Sie sind in diesem Baubestand verwurzelt, oft von Familien geführt, selten nach Schema. Die Insel bietet dafür den Rohstoff, den andere Regionen längst verloren haben.
Ein Innenhof im August. Kacheln, die die Hitze des Tages gespeichert haben, ein alter Ventilator an der Decke, Stille hinter meterdicken Mauern. Kein Pool mit Liegen, kein Frühstücksbuffet für zweihundert Personen. So beginnt Sizilien, wenn man in den richtigen Häusern landet: unvermittelt, nah, mit dem Gefühl, in der Insel zu sein und nicht über sie hinwegzureisen.
Nirgendwo auf der Insel fehlt es an historischer Bausubstanz. Palazzi, Masserie, alte Tonnare, barocke Stadtkerne. Sizilien hat die wirtschaftliche Entwicklung der großen Hotelketten lange mit Abstand betrachtet, und dieser Abstand hat etwas erhalten: eine Eigentümerkultur, in der Hotels noch von Menschen geführt werden, die darin wohnen oder gewohnt haben. Gastfreundschaft ist hier eine Haltung, keine Dienstleistungsziffer.
Palermo ist laut, lebendig, manchmal überwältigend. Märkte, Motorräder, Kirchenfassaden direkt neben baufälligen Häusern. Und dann, hinter einer schweren Holztür, ein Innenhof, der all das draußen lässt. Stadtpalazzi mit hohen Decken und Terrazzoboden, Fresken, die niemand restauriert hat und die gerade deshalb wirken. Wer nach Palermo kommt, will eintauchen, nicht abschalten.
Ortigia ist eine Insel in der Insel, umgeben vom Meer, durchzogen von engen Gassen und Plätzen, auf denen noch um zehn Uhr abends gegessen wird. Die Steine speichern die Wärme des Tages, das Licht ist weich, die Atmosphäre ruhiger als im Norden. Kleine Hotels in barocken Stadtgebäuden, ein paar Schritte bis zum Wasser. Wer hierherkommt, bleibt länger als geplant.
Weniger besucht, weitläufiger, ohne die Konzentration touristischer Routen. Alte Masserie im Hinterland, staubige Zufahrtswege, Tempelanlagen, die man morgens fast allein sehen kann. Die Boutique Hotels an der Südküste Siziliens sind Einzellagen, keine Cluster. Wer Abstand sucht, von Routen und von Erwartungen, findet ihn hier am ehesten.
Palermo für alle, die Sizilien als Stadt erleben wollen, mit Reibung und Geschichte. Syrakus und Ortigia für Aufenthalte, bei denen Küstennähe und Ruhe zusammenkommen sollen. Die Südküste für Reisende, die das Hinterland der Insel suchen und bereit sind, dafür auf Dichte zu verzichten.
April bis Mai und September bis Oktober sind die ruhigeren Monate: angenehmere Temperaturen, weniger Auslastung in den Häusern, bessere Verfügbarkeit in beliebten Lagen wie Ortigia.
Die Größe zunächst: meist unter dreißig Zimmer. Dann die Substanz: oft historische Gebäude mit eigenem Charakter. Und der Kontakt: persönlicher, direkter, ohne das Gefühl, einer von vielen zu sein.
Die Hauptflughäfen sind Palermo und Catania. Für Palermo und Syrakus reicht öffentlicher Nahverkehr. Für Hinterland und Südküste ist ein Mietwagen sinnvoll, weil viele der interessanteren Lagen abseits von Hauptrouten liegen.