Umbrien gilt als das grüne Herz Italiens und das nicht nur wegen seiner bewaldeten Hügel. Die Region ist dünn besiedelt, agrarisch geprägt und hat kaum Küste, die Urlauber anziehen könnte. Was sie stattdessen hat: eine jahrhundertealte Tradition bäuerlichen Wirtschaftens, getragen von Olivenöl, Trüffeln und den berühmten Linsen vom Castelluccio-Plateau. Agriturismo-Betriebe in Umbrien sind aus dieser Tradition herausgewachsen. Das sind keine touristischen Konstrukte, sondern Höfe, die irgendwann Gäste aufgenommen haben, weil es nahelag.
Ein Agriturismo-Aufenthalt in Umbrien bietet etwas, das viele Landregionen nicht zusammenbringen: Abgeschiedenheit und kulturelle Dichte zugleich. Viele Betriebe produzieren eigenes Olivenöl oder Wein und liegen dabei selten weiter als zwanzig Minuten von einer mittelalterlichen Kleinstadt entfernt. Entschleunigung und Kontext schließen sich hier nicht aus.
Der Trasimenosee ist der flächengrößte Binnensee Italiens und liegt unmittelbar westlich von Perugia. Agriturismos in dieser Umgebung eignen sich für alle, die zwischen Natur, Geschichte und Stadtleben wechseln möchten. Perugia selbst – mit seiner Altstadt auf dem Hügelrücken und dem bekannten Schokoladefestival Eurochocolate – ist in wenigen Minuten erreichbar.
Im Süden öffnet sich Umbrien zur Val di Chiana und zu Städten wie Orvieto und Todi – beide auf Tuffsteinfelsen gelegen, beide ohne den Besucheransturm der Toskana. Die Betriebe rund um Orvieto haben in den letzten Jahren an Bekanntheit gewonnen: Weinbau und eine Landschaft, die der Toskana ähnelt, ohne deren Preise und Auslastung zu teilen.
Die Valnerina im Osten Umbriens gehört zu den am wenigsten erschlossenen Gebirgsregionen Mittelitaliens. Enge Schluchten, dichte Wälder, kaum Durchgangsverkehr und Norcia als Versorgungspunkt, bekannt für seine Salumi-Tradition und den schwarzen Trüffel. Wer hier einen Agriturismo aufsucht, findet eine Küche, die direkt aus dem umliegenden Land stammt, und wenig, das davon ablenkt.
Ein Agriturismo-Aufenthalt in Umbrien ist keine Kompromisslösung für alle, die kein Strandhotel bekommen haben. Er ist eine eigenständige Reiseform für Landschaft, Geschichte und Essen, die ohne große Inszenierung auskommen. Wer eine Region sucht, die sich nicht in Szene setzt, findet in Umbrien eine Konzentration dieser Qualitäten, die im italienischen Binnenland ihresgleichen sucht.
Ja, ein Agriturismo in Umbrien eignet sich auch für kürzere Aufenthalte, wobei viele Betriebe Mindestaufenthalte von zwei Nächten verlangen, selten mehr. Für ein verlängertes Wochenende eignen sich vor allem die Regionen um den Trasimenosee und rund um Orvieto, da sie gut mit dem Auto oder über Bahnverbindungen erreichbar sind und gleichzeitig dicht an sehenswerten Orten liegen. Wer ins Norcia-Tal reist, sollte etwas mehr Zeit einplanen, allein wegen der Anfahrt.
Die Umgebung des Trasimenosees bietet die breiteste Infrastruktur für einen Agriturismo-Urlaub mit Kindern in Umbrien: Bootsausflüge auf dem See, Fahrradwege entlang des Ufers, Orte mit Supermärkten und Apotheken in der Nähe. Agriturismos mit großem Außengelände und Tieren finden sich in der gesamten Region, sind aber in den flacheren Gebieten rund um Perugia und den See häufiger als in der bergigen Valnerina.
Frühling und Herbst gelten als die ruhigsten und klimatisch angenehmsten Monate für einen Agriturismo-Urlaub in Umbrien. Im Mai und Juni blüht die Landschaft, im September und Oktober beginnt die Olivenernte, einer der arbeitsreichsten, aber auch sinnlichsten Momente des bäuerlichen Jahres. Juli und August sind heiß und in manchen Regionen auch von Binnentourismus geprägt. Im Winter ist ein Besuch möglich, aber viele kleinere Betriebe haben außerhalb der Saison geschlossen.