Das Chianti ist keine Kulisse, es ist eine Arbeitslandschaft. Wer hier einen Agriturismo bucht, übernachtet meist auf Betrieben, die nach wie vor Wein keltern, Olivenöl pressen oder Gemüse anbauen. Diesen landwirtschaftlichen Alltag mit touristischem Komfort zu verbinden, ist kein neues Konzept: Die italienische Legge Quadro von 1985 hat dafür den gesetzlichen Rahmen geschaffen. Und das Chianti gehört zu jenen Regionen, die ihn früh mit Leben gefüllt haben. Die Nähe zu Florenz und Siena tat ihr Übriges.
Typisch für die Region sind sogenannte Poderi und Fattorie: Gehöfte aus hellem Sandstein oder Kalkstein, oft mit Loggia, Innenhof und einem alten Kellergebäude. Viele Agriturismi im Chianti sind keine umgebauten Ferienhäuser, sondern echte Weingüter, auf denen Chianti Classico DOCG produziert wird, eine der ältesten geschützten Weinbezeichnungen Italiens. Olivenöl, Grappa und Honig kommen häufig ebenfalls aus eigenem Anbau.
Greve liegt im Herz des Chianti Classico-Gebiets und ist die am besten erschlossene der drei Teilregionen. Der dreieckige Hauptplatz mit seinen Arkaden bildet ein Zentrum des lokalen Lebens; Märkte und Weinproben gehören zum Alltag. Agriturismi in dieser Gegend eignen sich gut für alle, die Landleben und Ortsbesuch verbinden möchten.
Radda liegt auf rund 530 Metern und ist ruhiger als Greve. Die Wege sind weniger frequentiert, die Güter liegen weitläufig verstreut zwischen Wald und Reben. Für längere Aufenthalte, bei denen Ruhe und Natur im Vordergrund stehen, ist diese Teilregion die naheliegende Wahl.
Castellina ist touristisch etwas zugänglicher und profitiert von seiner günstigen Lage: Siena ist in rund 20 Kilometern erreichbar, Florenz in knapp 50. Agriturismi hier funktionieren gut als Ausgangspunkt, wenn sich Region und Städtebesuch abwechseln sollen.
Das Chianti eignet sich besonders für Aufenthalte mit Weinthema, für längere Auszeiten ohne straffes Programm und für alle, die Italiens Landwirtschaft nicht nur als Hintergrundmotiv erleben möchten. Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst: Im April und Mai zeigt sich die Hügellandschaft grün und lebendig, im September und Oktober findet die Weinlese statt. Auf den Gütern ist dann am meisten los und die Temperaturen laden zu Spaziergängen zwischen den Reben ein.
Radda in Chianti bietet die ruhigste Atmosphäre der drei Hauptregionen im Chianti. Die Höhenlage, die geringe Bebauungsdichte und die weitläufigen Güter machen es zur ersten Wahl für alle, die Stille und Abstand vom Alltagstrubel suchen. Der Ort selbst ist klein und überschaubar, das Angebot entsprechend reduziert.
Frühjahr und Herbst gelten als optimale Reisezeiten für einen Agriturismo-Aufenthalt im Chianti. April bis Juni bietet angenehme Temperaturen und eine grüne Landschaft, September und Oktober fallen mit der Weinlese zusammen, einer der intensivsten Perioden auf den Gütern. Der Hochsommer kann heiß und überlaufen sein: Viele Agriturismi sind dann zwar voll ausgebucht, aber weniger entspannt zu erleben.
Ja, ein Agriturismo im Chianti lässt sich gut mit Städtetrips verbinden, vor allem von Castellina in Chianti aus: Siena ist von dort in rund 20 Kilometern erreichbar, Florenz in etwa 50. Auch von Greve aus lässt sich Florenz gut an einem Tag besuchen. Ein eigenes Fahrzeug ist dafür Voraussetzung, da der öffentliche Nahverkehr in der Region dünn ausgebaut ist.
Viele Agriturismi im Chianti verlangen in der Hauptsaison einen Mindestaufenthalt von sieben Nächten, außerhalb der Saison oft drei bis vier. Frühstück ist häufig inbegriffen, Halbpension teilweise buchbar, aber nicht alle Betriebe bieten Abendessen an. Pool und Klimaanlage sind keine Selbstverständlichkeit, ein Blick in die Ausstattungsliste vor der Buchung lohnt sich.