Interview: Helmuth Mayr vom Niedermairhof in Südtirol

Die Inhaber des Niedermairhof, Helmuth und Kathrin

Der Niedermairhof im wundervollen Südtirol ist schon lange ein Escapio-Liebling. Die Inhaber Kathrin und Helmuth Mayr haben den alten Bauernhof liebevoll in einen modernen Gastbetrieb verwandelt. Im Interview erzählt uns Helmuth von den anstrengenden Arbeiten, Momenten der Freude und dem neusten Projekt im Niedermairhof – einer kleine Wellnessoase. Außerdem gibt es im heutigen Beitrag ein paar exklusive Einblicke hinter die Kulissen.


Unter Ihrem Dach sind über 700 Jahre Geschichte vereint, der Weg zum modernen Hotelbetrieb ist beispielhaft. Was steht hinter der Idee Ihres Hauses?

Das Haus kann Geschichte erzählen. Wir hatten das große Glück, dass es nie gebrannt hat und somit noch Schriftstücke aus dem 15. Jahrhundert erhalten sind. Jede Generation hat etwas Eigenes beigetragen, es finden sich viele Stilepochen wieder. Deshalb ist es uns auch wichtig, dass wir nun unseren Zeitgeist einbringen. Formen, die für uns nun als modern gelten, fügen sich in das Haus ein. So wie vor hundert Jahren damit Reklame gemacht wurde, dass in jedem Stockwerk fließend Wasser vorhanden ist, gibt es nun hochwertige Standards aus unserer Zeit. Das Motto war immer: Was alt ist, bleibt alt – was neu ist, wird so richtig neu.

Aufgearbeitete Antiquitäten treffen auf moderne Designerstücke – was können Gäste in den 8 Suiten erwarten?

Die Begebenheiten der Wiesen, Äcker oder Alm – jede der Suiten erzählt von einem Aspekt des Niedermairhofes. Im „Widum“ (eine Wiese neben dem Pfarrhaus) haben wir das Thema des Sakralen aufgenommen und mit Ornamenten, aber auch mit Goldeinflüssen gespielt. Im „Weiher“ beschreiben wir unser kleines Biotop und haben als Idee ein Aquarium als Raumteiler zwischen Dusche und Wohnbereich eingebaut. Somit kann der Gast mit den Fischen die Dusche genießen. In der „Colbedoi“ (der Name unserer Alm) befindet sich ein großer Dolomitblock, der als Beistelltisch dient.

Ein Wellnessangebot würde man in einem Bed & Breakfast nicht unbedingt erwarten. Was steckt hinter dem Stodl-SPA?

Es ist unser aktuellstes Projekt und hat uns und den Handwerkern auch wieder einiges abverlangt. Schon länger haben wir nach einem tollen Ort gesucht, einem Rückzugsort. An einem späten Nachmittag sind wir in den Stadel und haben das tolle Lichtspiel genossen, das sich durch den Abstand der Holzbretter an der Wand ergibt. Darauf aufbauend haben wir das Konzept entworfen. Wir sehen den Stodl-SPA als Rückzugsort, den man ganz für sich genießen kann. Es war uns wichtig, dass der gesamte SPA-Bereich für sich selbst und jene, die man dabeihaben möchte, gemietet werden kann. Mit Feuer im Ofen, der Sauna und einer großzügigen Terrasse mit Blick auf Bruneck. Ob dieses Konzept auch funktioniert, wissen wir noch nicht. Wir sind gespannt wie es ankommt.

Welche sind Ihre Lieblingsplätze im Haus und warum?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Wir selbst wohnen auch im Haus und meine Frau Kathrin ist auf dem Hof aufgewachsen. Zur Morgenzeit genieße ich in den wärmeren Jahreszeiten den großen Garten und besuche unseren Weiher. Am Abend ist der Ausblick von unserer Dachlounge auf die Stadt ein besonderer Genuss.

Insidertipps sind gefragt: Der Niedermairhof liegt im idyllischen Pustertal in Südtirol. Was sollte man in der Umgebung nicht verpassen?

Im Winter gefallen mir die Rodelpartien mit Einkehr in eine Hütte immer wieder besonders gut. Das Museum Lumen auf dem Kronplatz ist ebenfalls sehenswert. Ein besonderes Ziel sind auch die Erdpyramiden von Oberwielenbach. Wenn es wärmer wird, laden die Wälder und Berge zum Wandern ein – als Zwischenstopp sollte man sich hier die Reiner Wasserfälle in Rein in Taufers ansehen. Und in jedem Ort kann man vorzüglich essen.

Die umfangreiche Restaurierung, individuelle Gästewünsche – Herausforderungen sind Ihnen nicht fremd. Wie gehen Sie mit der aktuellen Situation rund um das Coronavirus um?

Wir sind zu Lehrern geworden. Ich arbeite im Homeoffice und Kathrin unterrichtet am Vormittag. Bei Mathematik bin ich an der Reihe. Am Mittagstisch wird gerätselt, wie viele Eier unsere Hennen heute legen. Seit Ostern haben wir einen Hühnerstall. Wir haben als Familie das große Glück, sehr viel Auslauffläche um den Hof zu haben. Das hat in der Zeit der Ausgangssperre geholfen.

Auf unseren Gastbetrieb bezogen ist es eine eigenartige Zeit. Es herrscht Unsicherheit, sowohl bei uns als auch bei den Gästen. Das Wunderbare dabei: Viele Gäste haben uns in der Zeit geschrieben oder angerufen. Und vielleicht haben wir nun diesen Lockdown überstanden. Die Bars öffnen wieder und bald dürfen auch wir wieder öffnen.

Und zum Abschluss: Was ist ihre Lieblingsanekdote aus dem Hotel?

Aus aktuellem Anlass fällt mir gerade diese Anekdote ein, die auch vor Covid immer wieder gerne erzählt habe. Als wir im August 2014 mit der Sanierung begonnen haben, bot sich im Dachstuhl des Niedermairhofes ein etwas skurriles Schauspiel. Über die Jahre hatten sich rund achtzig Tauben eingenistet und ein Sperber lebte ebenfalls im Dachstuhl. So hatte der Sperber immer genügend zu essen und die Tauben schienen dies zu akzeptieren. Wir sind mit Ganzkörperanzügen und Masken nach oben und haben mit dem Reinemachen begonnen. Es war eine harte, mühselige Arbeit. Noch Wochen später haben die Tauben immer wieder versucht, ihren angestammten Platz zurückzuerobern. Wenn wir am Morgen das Gurren der Tauben hörten, ging es mit Besenstiel Richtung Dach. Jetzt kann ich darüber schmunzeln.


Wir bedanken uns herzlich bei Helmuth für das tolle Interview. Mehr über den Niedermairhof kann man hier erfahren.

Und hier folgen noch ein paar spannende, optische Einblicke, denn so eine gewissenhafte & behutsame Restaurierung ist kein leichtes Unterfangen. Helmuth zeigt uns mit diesen Bildern, wie viel Herzblut & Ideenreichtum in die Wiedergeburt des Hotels gesteckt wurde.

  • Der Dolomitenblock in der Suite heute
  • Der Dolomitenblock musste in Schwerstarbeit in das Zimmer gehoben werden.
  • Auf dem Dachboden des Niedermairhof wartete so manche Überraschung.
  • Das offene Gebälk nach anstrengender Entkernung.
  • Und auch draußen gab es viel zu tun.
  • Der Niedermairhof heute.

Und weitere Einblicke findet man auch auf YouTube:

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