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Zukunft des Tourismus: Interview mit dem Tourismusexperten Prof. Karl Born

von Gesa Noormann Juni 10, 2009, 4:24 pm

Prof. Karl Born (Jahrgang 1943) ist Herausgeber der BBB Borns Bissige Bemerkungen, der scharfsinnigen montäglichen Kolumne rund um die Tourismusindustrie. Karl Born ist seit 2000 Professor für Betriebswirtschaftslehre/ Tourismusmanagement an der Hochschule Harz, Wernigerode, nachdem er vorher u.a. Vorstandsmitglied bei der TUI war.  März 2009 VDRJ-Preis der Deutschen Reisejournalisten „für besondere Verdienste um den Tourismus“.

Escapio hat Prof. Born als ausgewiesenen Tourismusexperten gebeten, uns freundlicherweise ein paar Fragen zur Zukunft des Tourismus zu beantworten.  Lesen Sie hier das Interview:

1)  Wie schätzen Sie die aktuelle Lage der deutschen Tourismusindustrie ein? Wer wird die Krise überleben, wer nicht?

Die aktuelle Krise verursacht schon eine Delle in der Entwicklung der Tourismusindustrie. Aber ich halte diese Krise nicht für „lebensgefährlich“. Die Tourismusindustrie ist gewohnt mit krisenhaften Entwicklungen umzugehen, wahrscheinlich mehr als jede andere Branche. Zwar liegen momentan die Buchungen für die Sommersaison noch deutlich unter denen des Vorjahres, aber Befragungen zeigen, dass die Reisebereitschaft der potenziellen Urlauber unverändert hoch ist. Das war einige Zeit nach dem Anschlag vom 11. September 2001 anders. Und beim 1. Irakkrieg (Anfang 1991) für eine gewisse Zeit die täglichen Stornierungen höher als der tägliche Neuzugang an Buchungen. Davon sind wir zur Zeit (glücklicherweise) weit entfernt.
Unter Überlebensdruck dürften nur jene kommen, die schon vor der Krise in einer kritischen Situation waren. Aber generell sehe ich keine Überlebensprobleme.

2)    Sie halten gerade eine Vorlesung über die Zukunft des Tourismus. Dort geht es unter anderem um Weltraumtourismus. Wollen Reisende tatsächlich immer exotischere Ziele?

Grundsätzlich ist der Wunsch nach immer mehr exotischen Zielen eher zurückgegangen. Den Nachbarn beim Reisen übertrumpfen zu wollen ist auch kein besonderes Motiv mehr. Aber viele Reisende haben nun mal schon viel gesehen und wollen dann noch etwas Neues kennen lernen. Durch die höhere Reiseerfahrung traut man sich jetzt auch ein eher „exotisches“ Ziel zu. Die angesprochenen Weltraumreisen (also echter mehrtägiger Aufenthalt in einem noch zu bauenden Weltraumhotel, im Gegensatz zu den im Moment fälschlicherweise als Weltraumflüge angepriesenen Suborbital-Flügen, also nur Kurzflüge an die Weltraumgrenze in 100 Km Höhe), sind Ziele für ein sehr begrenztes internationales Publikum im extremen oberen Preisbereich.

3)     Liegt die Zukunft krisenbedingt eher in Nahzielen?

Nein. Solche Aussagen über einen längeren Zeitraum treffen zu wollen wäre eher unseriös. Momentan ist allerdings Tatsache, dass die noch vor kurzem steigende Anzahl von Zweit- und Drittreisen in europäische Ziele wieder etwas abflaut. Dafür werden „leicht verstärkt“ Reisen in nähere Ziele gebucht.  Auf die Haupturlaubsreise kann man dies nicht unbedingt übertragen, zumal in Krisenzeiten es insbesondere im Kurzfristbereich viele sehr preiswerte Sonderangebote für die Urlaubsreise gibt.

4)    Einige Berliner Luxushotels haben gerade ihre Sterne zurückgegeben. Glauben Sie, dass das Sternesystem noch Sinn macht? Oder woran sollte sich ein Hotelgast heute orientieren?

Ein Ausspruch wie „Ich war in einem 5-Sterne-Hotel, aber die Freundlichkeit des Personals und die Qualität des Essens hatten höchstens 4-Sterne-Format“ zeigt, dass der Gast vollkommen falsche Vorstellungen vom Sternesystem hat. Genau diese Faktoren sind eben nicht Inhalt des Auszeichnungssystems, denn es erfüllt nur formale Voraussetzungen wie Zimmergröße, 24-Std.Service oder ähnliche Faktoren. Genau diese Anforderungen möchten einige Hotels nicht erfüllen, angesichts der aktuellen Preissituation. Es gibt aber auch umgekehrt hohe Anstrengungen einiger Hotels in höhere Kategorien zu kommen um neue Kundengruppen anzusprechen. Wenn man weiß, was das System aussagt, ist es hilfreich, ich schaue zum Beispiel sehr danach. Wohl wissend aber, dass für die Zufriedenheit noch andere Faktoren wichtig sind. Informationen von anderen Gästen können hier sehr hilfreich sein.

5)    Wenn Sie persönlich in der Urlaub fahren, was ist Ihnen dann am wichtigsten?

Ich definiere Urlaub „als Gegenteil vom Alltag“. Insofern will ich mich im Urlaub vor allem nicht ärgern müssen, d.h. die Zuverlässigkeit, dass „alles klappt“ ist wichtig für mich. Freundlichkeit, Sauberkeit, Bequemlichkeit, „nichts machen müssen“ und Niveau in den Räumlichkeiten und bei Speisen und Getränken sind weitere wesentliche Kriterien. Alles Dinge, die man nur schwer aus der Hotelbeschreibung erkennen kann und die im „nur Preisdenken“ mancher Urlauber zu kurz kommen. Worüber sich manche Urlauber ärgern, kann ich mich nur wundern, wenn sie genau diese Kriterien ihrer Urlaubsentscheidung nicht zugrunde legen, sondern nur nach dem Preis schauen.

6)    Haben Sie ein persönliches Lieblingshotel?

Zum Glück habe ich sehr viele Hotels in aller Welt kennen gelernt, die „meine Kriterien“ präzise erfüllen. Wobei ich hinzufügen muss, dass ich kein „Detailkritiker“ bin.  Es geht mir mehr ums Wohlfühlen und das Bemühen des Hotels zu erkennen, mich als Gast glücklich zu machen. Bei neuen Hotels erkundige ich mich vorher sehr genau über diese Faktoren, z.B. bei Freunden die schon in dieser Gegend waren (Oder Sie buchen ihr Hotel über Escapio:)) Anm. der Redaktion). Hotels über die ich mich ärgern muss, was leider  auch schon vorkam, sehen mich kompromisslos nie wieder.

Prof. Karl Born

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Über den Autor Gesa Noormann

Gesa
Schon als Kind weigerte ich mich beharrlich, in Jugendherbergen und Zeltlagern zu übernachten. Bis heute ist Reisen für mich mit tollen Hotels verbunden, weshalb ich ausgesprochen gerne für Escapio unterwegs bin. Längere Zeit habe in Frankreich und Italien verbracht, außerdem liebe ich New York, Venedig und den Orient. Seit meine Zwillingstöchter (10 Jahre) auf der Welt sind, sammele ich zudem reichlich Erfahrungen zum Thema "Reisen mit Kindern". Ich lebe in Berlin, liebe gutes Essen (gerne auch selbst gekocht), ausgiebiges Shoppen und jede Art von Literatur.