Kap Verde lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Die Inseln liegen vor der westafrikanischen Küste, klingen aber nach Fado und schmecken nach Cachupa. Wer hier ankommt, merkt schnell: Das ist kein Badeurlaub wie anderswo, und auch kein Abenteuertrip im üblichen Sinn. Etwas dazwischen, etwas Eigenes. Die Landschaft wechselt von Insel zu Insel so deutlich, dass man kaum glaubt, im selben Archipel zu sein. Und wer einmal begonnen hat, zwischen den Inseln zu wechseln, fragt sich beim nächsten Mal nicht mehr ob, sondern wohin.
Auf einer kleinen Fähre zwischen zwei Inseln sitzt man zwangsläufig neben jemandem, der gerade dasselbe erlebt hat: ein paar Tage auf Kap Verde, und plötzlich die Gewissheit, dass man die falsche Insel zuletzt gewählt hat. Dieses Gespräch führen viele. Denn wer einmal hier war, weiß: Nirgendwo entscheidet die Wahl des Ortes so viel wie bei den Hotels in Kap Verde.
Kap Verde hat keine einheitliche Hotelkultur. Jede Insel hat eine andere Energie, und die Hotels spiegeln das wider. Ob Fischerdorf, endlose Dünen oder vulkanisches Gebirge: der Charakter eines Hauses beginnt immer mit dem, was man aus dem Fenster sieht. Die Bandbreite reicht vom Strandbungalow bis zur renovierten Fazenda.
Sal ist flach, trocken und überraschend still. Die Strände nehmen kein Ende, und die Hotels fügen sich in diese Küstenlandschaft ein, als hätten sie nie woanders gestanden. Abends klingt vom Platz nebenan Musik herüber. Capoeira vielleicht, oder einfach Stimmen. Die Zeit läuft hier langsamer, und irgendwann hört man auf, dagegen anzugehen.
Wer auf São Nicolau ankommt, steigt auf: durch Terrassenfelder, vorbei an Ribeira Brava mit seinen stillen Gassen, in eine Insel, die der Massentourismus noch nicht erreicht hat. Die Hotels hier haben wenige Zimmer, Stein, Holz, keine Poollandschaften. Ein Ort für Reisende, die in eine Insel eintauchen wollen, nicht hindurchrauschen.
Santiago trägt mehr Geschichte als alle anderen Inseln zusammen. Praia ist laut und lebendig; wenige Kilometer entfernt liegen die Ruinen von Cidade Velha, der ersten europäischen Kolonialstadt in den Tropen. Hotels in Kolonialgebäuden oder mit Blick über die Bucht. Eine Insel, die mehr erzählt als zeigt.
Wer Strand und Bewegung sucht, kommt auf Sal an und bleibt länger als geplant. Wer eine Insel will, die kaum jemand kennt, findet auf São Nicolau das, wonach man anderswo vergeblich sucht. Und wer verstehen möchte, wie Kap Verde wurde, was es ist, beginnt auf Santiago – mit einer Stadt, die sich nicht versteckt.