Nordrhein-Westfalen als Reiseziel taucht in Gesprächen selten als erstes auf. Wer auf der A1 im Stau stand, denkt dabei kaum an Waldtäler oder Deiche. Dabei beginnt hinter den Städten eine Landschaft, die mehr Raum hat, als man ihr zutraut. Wer ein Landhotel in NRW sucht, findet eine Region mit eigenem Charakter: Mittelgebirge, Tiefebene und Flussauen, die sich auf erstaunlich kurzem Weg ablösen.
Auf der Terrasse sitzen zwei Gäste, die sich erzählen, wie lang sie unterwegs waren. Zwei Stunden, vielleicht drei. Und wie weit das alles schon klingt. Genau das überrascht viele beim ersten Besuch: Die Stille setzt früher ein als erwartet, die Städte rücken schneller weg, als man es ihnen zutraut.
Morgens im Mittelgebirge frühstücken, abends am Rhein stehen. Das lässt sich in NRW tatsächlich an einem einzigen Tag bewältigen, ohne dass es sich nach Reisen anfühlt. Die Landschaften wechseln nicht allmählich, sie kippen. Dichter Buchenwald, dann Offenland, dann Wasser. Dazu eine Küche, die regional geblieben ist: Wildgerichte, Sauerbraten, Matjes in kleinen Gasthäusern nah an der Grenze.
Das Sauerland gibt sich nicht sofort. Erst nach ein paar Stunden zu Fuß, wenn die Täler sich öffnen und die Stauseen von oben sichtbar werden, versteht man, warum viele hier immer wiederkommen. Die Wanderwege haben Profil, die Dörfer sind ruhig, und abends landet Wildschwein auf dem Teller.
Hier fehlt das Bergpanorama, und das ist der Punkt. Der Himmel sitzt tief, Felder reichen bis irgendwo hin, und auf den Deichen fährt man stundenlang Rad, ohne dass viel passiert. Genau das wollen manche. Kleinstädte mit Backsteinkern, Obstgärten, und in den Gasthäusern manchmal Heringe nach niederländischer Art.
Rauer als das Sauerland, weniger bekannt und deshalb ruhiger. Die Maare liegen schwarz und still zwischen den Hügelkuppen, die Hochmoore riechen nach Torf, und auf manchen Straßen fährt kaum jemand. Wer Sterne sehen will, hat hier im Umfeld des Nationalparks gute Chancen.
Wer morgens ins Wasser springen will, bevor er frühstückt, gehört an die Eifelmaare. Wer den Kopf durch Bewegung frei bekommt und dafür Höhenmeter braucht, findet im Sauerland, wonach er sucht. Und wer einfach nur irgendwo ankommen will, wo der Horizont weit ist und der nächste Ort weit genug entfernt liegt, sollte dem Niederrhein eine Chance geben.